Berühmte Fischer-Partie · 1971
Fischer – Petrosjan, Buenos Aires 1971, 7. Partie
Die siebte Partie des Kandidatenfinales 1971: Aus einem damenlosen Mittelspiel verwandelte Fischer einen kleinen Stellungsvorteil in einen Sieg – samt dem Tausch 22.Sxd7+ – und führte danach 4½:2½.
- Weiß
- Bobby Fischer
- Schwarz
- Tigran Petrosjan
- Ergebnis
- 1–0
- Datum
- Turnier
- Kandidatenfinale 1971 (Wettkampf Fischer – Petrosjan)
- Ort
- Buenos Aires, Argentinien
- Runde
- 7
- Eröffnung
- Sizilianische Verteidigung, Kan-Variante (B42)
- Züge
- 34
Die Partie auf dem Brett
Stellung nach 12.Da4+
- 1.
- 2.
- 3.
- 4.
- 5.
- 6.
- 7.
- 8.
- 9.
- 10.
- 11.
- 12.
- 13.
- 14.
- 15.
- 16.
- 17.
- 18.
- 19.
- 20.
- 21.
- 22.
- 23.
- 24.
- 25.
- 26.
- 27.
- 28.
- 29.
- 30.
- 31.
- 32.
- 33.
- 34.
Hintergrund
Das Kandidatenfinale in Buenos Aires begann am 30. September 1971 und war auf zwölf Partien angesetzt; wer zuerst 6½ Punkte erreichte, durfte Weltmeister Boris Spasski herausfordern. Der frühere Weltmeister Petrosjan gewann die zweite Partie und beendete damit Fischers lange Siegesserie; nach fünf Partien stand es 2½:2½. Die sechste Partie gewann Fischer nach einer Hängepartie. So führte er 3½:2½, als am 19. Oktober die siebte Partie gespielt wurde.[1][2][3][4][5]
Die Eröffnung führte zu einem frühen Damentausch; der isolierte schwarze d-Bauer und die weiße Bauernmehrheit am Damenflügel prägten den weiteren Verlauf. Nach Angaben seines Sekundanten Juri Awerbach hielt Petrosjan die Stellung nach der Eröffnung für unverlierbar. Polugajewski, der die Partie für die sowjetische Wochenzeitung „64“ kommentierte, sah das anders: Schwarz habe schon früh vor schwierigen Problemen gestanden. Fischer verwertete den kleinen Vorteil mit genauen Abtauschen und aktiven Türmen.[6][5]
Zeitgenössische Berichte sahen in dieser Partie den entscheidenden Moment des Finales. Sports Illustrated nannte sie den Wendepunkt des Wettkampfs, Chess Life & Review ein reines Beispiel für die Verwertung eines minimalen Stellungsvorteils. Danach hätte Petrosjan aus den restlichen fünf Partien vier Punkte gebraucht. Fischer gewann auch die achte und die neunte Partie, entschied das Match mit 6½:2½ und wurde damit Spasskis Herausforderer für 1972.[3][6][1]
Schlüsselmomente
Polugajewski nannte dieses auf den ersten Blick harmlose Schach überraschend giftig. Nach 12…Dd7 13.Te1 Dxa4 14.Sxa4 sind die Damen getauscht; die entstandene Stellung – weiße Mehrheit am Damenflügel gegen den isolierten schwarzen d-Bauern – erwies sich für Schwarz als sehr schwierig.[5]
Engine-Check: Die DeepSquare-Engine (Suchtiefe 22) hält 12.Da4+ für praktisch gleichwertig mit ihrer ersten Wahl 12.Le3; Bewertung danach: +0,3 aus Sicht von Weiß.
Fischer gibt seinen starken Springer von c5 für den schwarzen Läufer, den Polugajewski einen im Grunde schlechten Läufer nannte. Nach 22…Txd7 steht Läufer gegen Springer, und der weiße Läufer sollte die Stellung beherrschen. Für Polugajewski war der Zug typisch für Fischers Bereitschaft, eine Art von Vorteil in eine andere umzuwandeln.[5]
Engine-Check: Die DeepSquare-Engine (Suchtiefe 22) hält 22.Sxd7+ für praktisch gleichwertig mit ihrer ersten Wahl 22.a4; Bewertung danach: +1,4 aus Sicht von Weiß.
Ein Turm steht schon auf c7, der andere kommt nach e2. Polugajewski sah Schwarz hier in einer Art Zugzwang: 25…a5 würde mit 26.b5 beantwortet, und 25…Sb6 ließe den zweiten weißen Turm auf die siebte Reihe. Petrosjan spielte 25…g6.[5]
Engine-Check: Die DeepSquare-Engine (Suchtiefe 22) wählt hier ebenfalls 25.Te2; Bewertung danach: +1,1 aus Sicht von Weiß.
Beide weißen Türme stehen jetzt auf der zweiten Reihe von Schwarz. Der Bericht in Sports Illustrated nannte dies den entscheidenden Turmzug, der den schwarzen König auf der Grundreihe einsperrte. Petrosjan zog noch dreimal und gab nach 34.Lc4 auf.[3][5]
Engine-Check: Die DeepSquare-Engine (Suchtiefe 22) wählt hier ebenfalls 31.Tee7; Bewertung danach: +1,9 aus Sicht von Weiß.
PGN
[Event "1971 Candidates final (Fischer vs. Petrosian match)"] [Site "Buenos Aires, Argentina"] [Date "1971.10.19"] [Round "7"] [White "Fischer, Robert James"] [Black "Petrosian, Tigran V"] [Result "1-0"] [ECO "B42"] [PlyCount "67"] [Source "Chess Database by Ana L. Schaigorodsky, DOI 10.6084/m9.figshare.4276523, CC BY 4.0"] 1. e4 c5 2. Nf3 e6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 a6 5. Bd3 Nc6 6. Nxc6 bxc6 7. O-O d5 8. c4 Nf6 9. cxd5 cxd5 10. exd5 exd5 11. Nc3 Be7 12. Qa4+ Qd7 13. Re1 Qxa4 14. Nxa4 Be6 15. Be3 O-O 16. Bc5 Rfe8 17. Bxe7 Rxe7 18. b4 Kf8 19. Nc5 Bc8 20. f3 Rea7 21. Re5 Bd7 22. Nxd7+ Rxd7 23. Rc1 Rd6 24. Rc7 Nd7 25. Re2 g6 26. Kf2 h5 27. f4 h4 28. Kf3 f5 29. Ke3 d4+ 30. Kd2 Nb6 31. Ree7 Nd5 32. Rf7+ Ke8 33. Rb7 Nxb4 34. Bc4 1-0
Zur Notation: Das Archiv und Polugajewskis Anmerkungen in „64“ geben 33…Sxb4; Chess Life & Review (Dezember 1971) und Sports Illustrated geben 33…Sxf4. Der Schlusszug 34.Lc4 und das Ergebnis stimmen in allen Quellen überein.[5][6][3]
Quellen
- Candidates' final, Buenos Aires 1971 · OlimpBase · n.d.; accessed 2026-09-14
- The Fischer-Petrosian Candidates’ Final (Buenos Aires, 1971) with annotations by Korchnoi, Furman, Kholmov & Polugaevsky · Douglas Griffin / Soviet Chess History · 2019-06-10
- Bobby Clears The Board For The Title · Robert Cantwell / Sports Illustrated (Internet Archive copy) · 1971-11-08
- Candidates' final, Buenos Aires 1971: PGN game file (wc1972-candf.pgn) · OlimpBase · n.d.; accessed 2026-09-25
- Fischer–Petrosian, seventh match-game, Candidates' final, Buenos Aires 1971: contemporary annotations · Lev Polugaevsky, 64 no.43 (1971); translated by Douglas Griffin · 1971; translation published 2019
- Chess Life & Review, December 1971: report on the Fischer–Petrosian match with the scores of games 7–9 · Burt Hochberg / Chess Life & Review, United States Chess Federation · 1971-12
Partiedaten: Chess Database von Ana L. Schaigorodsky, DOI 10.6084/m9.figshare.4276523, lizenziert unter CC BY 4.0; für BobbyChess ausgewählt und in PGN umgewandelt.