Berühmte Fischer-Partie · 1972

Fischer – Spasski, Reykjavík 1972, 6. Partie

Fischer überraschte Spasski mit 1.c4, landete im Abgelehnten Damengambit und gewann eine vorbildliche Positionspartie, die ihm erstmals die Führung brachte; Spasski applaudierte mit.

Weiß
Bobby Fischer
Schwarz
Boris Spasski
Ergebnis
1–0
Datum
Turnier
Schachweltmeisterschaft 1972 (Spasski – Fischer)
Ort
Laugardalshöll, Reykjavík, Island
Runde
6
Eröffnung
Abgelehntes Damengambit, Tartakower-Variante (nach 1.c4) (D59)
Züge
41

Die Partie auf dem Brett

Stellung nach 1.c4

  1. 1.
  2. 2.
  3. 3.
  4. 4.
  5. 5.
  6. 6.
  7. 7.
  8. 8.
  9. 9.
  10. 10.
  11. 11.
  12. 12.
  13. 13.
  14. 14.
  15. 15.
  16. 16.
  17. 17.
  18. 18.
  19. 19.
  20. 20.
  21. 21.
  22. 22.
  23. 23.
  24. 24.
  25. 25.
  26. 26.
  27. 27.
  28. 28.
  29. 29.
  30. 30.
  31. 31.
  32. 32.
  33. 33.
  34. 34.
  35. 35.
  36. 36.
  37. 37.
  38. 38.
  39. 39.
  40. 40.
  41. 41.

Hintergrund

Nach der fünften Partie stand es 2½:2½. In der sechsten Partie am 23. Juli eröffnete Fischer, der fast immer 1.e4 gespielt hatte, mit 1.c4. Nach 3.d4 entstand ein Abgelehntes Damengambit – zum ersten Mal spielte Fischer in einer ernsthaften Partie die weiße Seite des Damengambits. Spasski wählte die Tartakower-Variante, mit der er noch nie verloren hatte. Die Überraschung lag also weniger in der Stellung selbst als darin, wer sie mit Weiß spielte.[1][2][3][4]

In seinen zeitgenössischen Anmerkungen zeigte Michail Tal, wie Fischer Schwarz Schritt für Schritt das Gegenspiel nahm. Zentral war 20.e4: Nach Spasskis 20…d4 entstand, was Tal als typisch für Fischer beschrieb – eine bessere Stellung ohne Gegenspiel für den Gegner. Danach fixierte Weiß mit 22.e5 den schwachen Bauern e6, der schwarze Freibauer auf d4 blieb harmlos, und der weiße Läufer war dem Springer deutlich überlegen. Der Königsangriff begann mit 26.f5.[3][2]

Nach 41.Df4 gab Spasski auf. Anschließend spendete er Fischer gemeinsam mit dem Publikum Beifall – eine Szene, die Gligorić festhielt und die bis heute erzählt wird. Mit diesem Sieg ging Fischer erstmals im Match in Führung, 3½:2½. Der britische Meister C.H.O'D. Alexander hob hervor, Fischer habe das Damengambit nicht nur zum ersten Mal in einer ernsten Partie gespielt, sondern gleich in Vollendung – und damit Zweifel am gesamten schwarzen Eröffnungssystem geweckt.[3][2][1]

Mehr in Fischers Geschichte: Die Partien hinter dem Weltereignis →

Schlüsselmomente

  1. Fischer, der fast immer 1.e4 spielte, beginnt mit dem c-Bauern. Nach 3.d4 geht die Partie in ein Abgelehntes Damengambit über.[2][3][1]

  2. Tal: Ein Bauernopfer könne man das nur mit großem Vorbehalt nennen, denn nach 20…dxe4 ginge bald mindestens einer der schwarzen e-Bauern verloren. Spasskis 20…d4 ließ Weiß freie Hand; die Stellung bekam den technischen Charakter, der Fischer lag.[3][2]

    Engine-Check: Die DeepSquare-Engine (Suchtiefe 22) wählt hier ebenfalls 20.e4; Bewertung danach: +0,4 aus Sicht von Weiß.

  3. Der f-Bauer öffnet den Weg zum schwarzen König. Tal schrieb, der Rest der Partie könne als Lehrbuchbeispiel für einen Königsangriff dienen; das weitere Spiel von Weiß sei einfach und logisch.[3]

  4. Fischer gibt die Qualität: Nach 38…gxf6 39.Txf6 hat der schwarze König seine Deckung verloren, und nach 41.Df4 gab Spasski auf.[3][2]

    Engine-Check: Die DeepSquare-Engine (Suchtiefe 22) wählt hier ebenfalls 38.Txf6; Bewertung danach: gewonnen für Weiß.

PGN

[Event "1972 World Chess Championship (Spassky vs. Fischer)"]
[Site "Laugardalshöll, Reykjavík, Iceland"]
[Date "1972.07.23"]
[Round "6"]
[White "Fischer, Robert James"]
[Black "Spassky, Boris V"]
[Result "1-0"]
[ECO "D59"]
[PlyCount "81"]
[Source "Chess Database by Ana L. Schaigorodsky, DOI 10.6084/m9.figshare.4276523, CC BY 4.0"]

1. c4 e6 2. Nf3 d5 3. d4 Nf6 4. Nc3 Be7 5. Bg5 O-O 6. e3 h6 7. Bh4 b6 8. cxd5
Nxd5 9. Bxe7 Qxe7 10. Nxd5 exd5 11. Rc1 Be6 12. Qa4 c5 13. Qa3 Rc8 14. Bb5 a6
15. dxc5 bxc5 16. O-O Ra7 17. Be2 Nd7 18. Nd4 Qf8 19. Nxe6 fxe6 20. e4 d4 21.
f4 Qe7 22. e5 Rb8 23. Bc4 Kh8 24. Qh3 Nf8 25. b3 a5 26. f5 exf5 27. Rxf5 Nh7
28. Rcf1 Qd8 29. Qg3 Re7 30. h4 Rbb7 31. e6 Rbc7 32. Qe5 Qe8 33. a4 Qd8 34.
R1f2 Qe8 35. R2f3 Qd8 36. Bd3 Qe8 37. Qe4 Nf6 38. Rxf6 gxf6 39. Rxf6 Kg8 40.
Bc4 Kh8 41. Qf4 1-0

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Quellen

  1. World Chess Championship 1972 · Wikipedia (English), summarising Gligorić (1972), Evans & Smith (1973), Brady and others · version current on 2026-09-25
  2. Bobby Fischer Wins Positional Masterpiece · Anthony Levin / Chess.com · updated 2022-07-25; accessed 2026-09-25
  3. Fischer–Spassky, sixth match game: contemporary annotations · Mikhail Tal, 64 no.30 (1972); translated by Douglas Griffin · 1972; translation published 2018
  4. World Championship match, Reykjavik 1972: PGN game file (wc1972-wch.pgn) · OlimpBase · n.d.; accessed 2026-09-25

Partiedaten: Chess Database von Ana L. Schaigorodsky, DOI 10.6084/m9.figshare.4276523, lizenziert unter CC BY 4.0; für BobbyChess ausgewählt und in PGN umgewandelt.