Berühmte Fischer-Partie · 1971

Fischer – Taimanow, Vancouver 1971, 4. Partie

Die vierte Partie von Fischers 6:0 im Viertelfinale: Im offenen Endspiel war sein Läufer Taimanows Springer überlegen, und ein Läuferopfer machte am Ende den Weg für die Damenflügelbauern frei.

Weiß
Bobby Fischer
Schwarz
Mark Taimanow
Ergebnis
1–0
Datum
Turnier
Kandidaten-Viertelfinale 1971 (Wettkampf Fischer – Taimanow)
Ort
Vancouver, Kanada
Runde
4
Eröffnung
Sizilianische Verteidigung, Taimanow-Variante (B47)
Züge
71

Die Partie auf dem Brett

Stellung nach 24.Te5

  1. 1.
  2. 2.
  3. 3.
  4. 4.
  5. 5.
  6. 6.
  7. 7.
  8. 8.
  9. 9.
  10. 10.
  11. 11.
  12. 12.
  13. 13.
  14. 14.
  15. 15.
  16. 16.
  17. 17.
  18. 18.
  19. 19.
  20. 20.
  21. 21.
  22. 22.
  23. 23.
  24. 24.
  25. 25.
  26. 26.
  27. 27.
  28. 28.
  29. 29.
  30. 30.
  31. 31.
  32. 32.
  33. 33.
  34. 34.
  35. 35.
  36. 36.
  37. 37.
  38. 38.
  39. 39.
  40. 40.
  41. 41.
  42. 42.
  43. 43.
  44. 44.
  45. 45.
  46. 46.
  47. 47.
  48. 48.
  49. 49.
  50. 50.
  51. 51.
  52. 52.
  53. 53.
  54. 54.
  55. 55.
  56. 56.
  57. 57.
  58. 58.
  59. 59.
  60. 60.
  61. 61.
  62. 62.
  63. 63.
  64. 64.
  65. 65.
  66. 66.
  67. 67.
  68. 68.
  69. 69.
  70. 70.
  71. 71.

Hintergrund

Das Kandidaten-Viertelfinale zwischen Bobby Fischer und Mark Taimanow wurde vom 16. Mai bis 1. Juni 1971 in Vancouver ausgetragen, angesetzt auf höchstens zehn Partien; zum Sieg waren 5½ Punkte nötig. Taimanow war ein erfahrener Großmeister, der schon 1953 zu den WM-Kandidaten gehört hatte, und zugleich professioneller Konzertpianist. Als am 25. Mai die vierte Partie begann, führte Fischer bereits 3:0. Die zweite Partie war erst nach zwei Hängepartie-Sitzungen entschieden worden, als Taimanow ein einfaches Remis verpasste.[1][2][3][4]

In Erinnerung geblieben ist die Partie vor allem durch ihr Endspiel. Nach dem Damentausch im 23. Zug schrieb Tal in seinen zeitgenössischen Anmerkungen, Weiß stehe besser, weil in einer offenen Stellung mit Spiel auf beiden Flügeln der Läufer aktiver sei als der Springer. Fischer nutzte das mit 33.a4 fixierte Feld b5 erst für den Läufer, später für den König, während Taimanows Königsflügelbauern auf hellen Feldern in Reichweite des Läufers standen. Douglas Griffin, der Tals Anmerkungen übersetzte, nennt die Partie einen Lehrbuchsieg.[5][3]

Taimanow verlor auch die fünfte und die sechste Partie; am 1. Juni stand das 6:0 fest. Für ein so einseitiges Ergebnis in einem Wettkampf auf dem Weg zur Weltmeisterschaft gab es kaum Vorbilder, und Fischer ließ gegen Bent Larsen ein weiteres 6:0 folgen. Für Taimanow hatte die Niederlage in der Heimat ernste Folgen: Er berichtete später, die sowjetischen Behörden hätten ihm Auslandsreisen verboten und sein staatliches Gehalt gestrichen. Die sechs Ergebnisse erzählen also nur einen Teil seiner Geschichte.[1][4][6][7][3]

Schlüsselmomente

  1. Die Damen sind getauscht, Türme und Leichtfiguren bleiben. Tal bewertete dieses Endspiel als günstig für Weiß: Die Stellung ist offen, es gibt Spiel auf beiden Flügeln, und in solchen Stellungen ist der Läufer aktiver als der Springer.[5]

    Engine-Check: Die DeepSquare-Engine (Suchtiefe 22) wählt hier ebenfalls 24.Te5; Bewertung danach: +0,1 aus Sicht von Weiß.

  2. Ein unscheinbarer, aber wichtiger Zug. Tal sah darin die Fixierung der Schwäche auf b5; das Feld könne später dem Läufer wie dem König dienen. Genau so kam es: Der Läufer zog mit 41.Lb5 dorthin, der König mit 50.Kb5.[5]

  3. Fischer tauscht das letzte Turmpaar. Nach 44…Kxd6 bleibt ein reines Endspiel Läufer gegen Springer mit je sechs Bauern. Laut Griffins Anmerkung zu Tals Kommentar konnte Schwarz den weißen König danach nicht mehr von b5 fernhalten; von dort drang er später nach a6 und b6 vor.[5]

    Engine-Check: Die DeepSquare-Engine (Suchtiefe 22) wählt hier ebenfalls 44.Txd6; Bewertung danach: +1,1 aus Sicht von Weiß.

  4. Der entscheidende Schlag: Fischer gibt seinen Läufer für den Bauern g6. Nach 62…Sxg6 schlägt der weiße König auf b6 und c5; drei weiße Damenflügelbauern stehen nun einem schwarzen gegenüber, zu viele für den Springer. Nach 71.b6 gab Taimanow auf.[5]

    Engine-Check: Die DeepSquare-Engine (Suchtiefe 22) wählt hier ebenfalls 62.Lxg6; Bewertung danach: +3,5 aus Sicht von Weiß.

PGN

[Event "1971 Candidates quarterfinal (Fischer vs. Taimanov match)"]
[Site "Vancouver, Canada"]
[Date "1971.05.25"]
[Round "4"]
[White "Fischer, Robert James"]
[Black "Taimanov, Mark E"]
[Result "1-0"]
[ECO "B47"]
[PlyCount "141"]
[Source "Chess Database by Ana L. Schaigorodsky, DOI 10.6084/m9.figshare.4276523, CC BY 4.0"]

1. e4 c5 2. Nf3 Nc6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Qc7 5. Nc3 e6 6. g3 a6 7. Bg2 Nf6 8. O-O
Nxd4 9. Qxd4 Bc5 10. Bf4 d6 11. Qd2 h6 12. Rad1 e5 13. Be3 Bg4 14. Bxc5 dxc5
15. f3 Be6 16. f4 Rd8 17. Nd5 Bxd5 18. exd5 e4 19. Rfe1 Rxd5 20. Rxe4+ Kd8 21.
Qe2 Rxd1+ 22. Qxd1+ Qd7 23. Qxd7+ Kxd7 24. Re5 b6 25. Bf1 a5 26. Bc4 Rf8 27.
Kg2 Kd6 28. Kf3 Nd7 29. Re3 Nb8 30. Rd3+ Kc7 31. c3 Nc6 32. Re3 Kd6 33. a4 Ne7
34. h3 Nc6 35. h4 h5 36. Rd3+ Kc7 37. Rd5 f5 38. Rd2 Rf6 39. Re2 Kd7 40. Re3 g6
41. Bb5 Rd6 42. Ke2 Kd8 43. Rd3 Kc7 44. Rxd6 Kxd6 45. Kd3 Ne7 46. Be8 Kd5 47.
Bf7+ Kd6 48. Kc4 Kc6 49. Be8+ Kb7 50. Kb5 Nc8 51. Bc6+ Kc7 52. Bd5 Ne7 53. Bf7
Kb7 54. Bb3 Ka7 55. Bd1 Kb7 56. Bf3+ Kc7 57. Ka6 Nc8 58. Bd5 Ne7 59. Bc4 Nc6
60. Bf7 Ne7 61. Be8 Kd8 62. Bxg6 Nxg6 63. Kxb6 Kd7 64. Kxc5 Ne7 65. b4 axb4 66.
cxb4 Nc8 67. a5 Nd6 68. b5 Ne4+ 69. Kb6 Kc8 70. Kc6 Kb8 71. b6 1-0

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Quellen

  1. Candidates' quarterfinal matches, 1971 · OlimpBase · n.d.; accessed 2026-09-14
  2. In Memoriam Mark Taimanov (1926–2016) · FIDE · 2016-12-05
  3. The Fischer-Taimanov Candidates’ Quarter-final (Vancouver, 1971), with annotations by Tal & Moiseev · Douglas Griffin / Soviet Chess History · 2019-06-06
  4. Candidates' quarterfinal matches 1971: PGN game file (wc1972-candqf.pgn) · OlimpBase · n.d.; accessed 2026-09-25
  5. Fischer–Taimanov, fourth match-game, Candidates' quarterfinal, Vancouver 1971: contemporary annotations · Mikhail Tal, 64 no.22 (1971); translated by Douglas Griffin · 1971; translation published 2019
  6. Bobby Fischer · Wikipedia (English) · version current on 2026-09-25
  7. Robert Fischer: biography · FIDE Open Chess Museum · n.d.; accessed 2026-09-14

Partiedaten: Chess Database von Ana L. Schaigorodsky, DOI 10.6084/m9.figshare.4276523, lizenziert unter CC BY 4.0; für BobbyChess ausgewählt und in PGN umgewandelt.